2026年05月05日 / ライフスタイル

Smartphone-Abhängigkeit ist keine Frage der Willensschwäche? Warum wir soziale Netzwerke nicht schließen können: Drei Mechanismen, die problematische Internetnutzung verursachen

Smartphone-Abhängigkeit ist keine Frage der Willensschwäche? Warum wir soziale Netzwerke nicht schließen können: Drei Mechanismen, die problematische Internetnutzung verursachen

„Ich möchte aufhören, aber meine Finger können nicht aufhören“ – Drei psychologische Mechanismen, die uns im endlosen Scrollen gefangen halten

Abends wollte ich nur kurz auf mein Smartphone schauen. Die Benachrichtigungen überprüfen, ein kurzes Video abspielen und nur ein paar Mal die Timeline nach unten scrollen. Doch plötzlich sind 30 Minuten oder sogar eine Stunde vergangen. Ich erinnere mich nicht an alles, was ich gesehen habe. Vielmehr bleibt ein vages Gefühl der Erschöpfung zurück. Trotzdem wiederhole ich am nächsten Tag das Gleiche.

Dieses Gefühl von „Ich möchte aufhören, aber kann nicht“ ist vielen Menschen vertraut geworden. Smartphones und soziale Netzwerke sind der Zugang zu Arbeit, Lernen, Kommunikation, Unterhaltung, Einkaufen und Nachrichten und schwer aus dem modernen Leben wegzudenken. Daher ist das Problem nicht einfach „das Internet nutzen oder nicht nutzen“. Das Problem besteht darin, dass die Nutzung so stark wird, dass sie das Leben, die psychische Gesundheit, Beziehungen, Schlaf und die Arbeitsqualität der Person beeinträchtigt und dennoch schwer zu kontrollieren ist.

Eine Studie, die im Mai 2026 von Phys.org vorgestellt wurde, bietet eine Klärung dieses Problems. Das Forschungsteam um Professor Matthias Brand von der Universität Duisburg-Essen zeigte drei psychologische Wege auf, die problematische Internetnutzung erklären. Dabei geht es nicht um eine vage Abhängigkeit vom Internet an sich, sondern um Fälle, in denen spezifische Online-Aktivitäten wie exzessives Gaming, die Nutzung sozialer Netzwerke, Online-Shopping oder das Ansehen von Pornografie das Leben beeinträchtigen.

Das Forschungsteam konzentrierte sich auf das Zusammenspiel von Emotionen, Gewohnheiten und Selbstkontrolle, das es schwer macht, das Verhalten zu stoppen. Die in der Studie aufgezeigten drei Wege wurden in sehr intuitive Begriffe übersetzt.

Der erste Weg ist „Feels better“. Das bedeutet, dass die Nutzung des Internets die Stimmung verbessert oder unangenehme Gefühle lindert. Langeweile, Angst, Einsamkeit, Müdigkeit, Stress. Wenn man solche Gefühle hat, wird das Smartphone zum einfachsten Ausweg. Öffnet man soziale Netzwerke, erhält man Reaktionen. Spielt man ein Video ab, muss man nicht nachdenken. Schaut man sich Shopping-Seiten an, wechselt die Stimmung während der Auswahl. Was als kleine Ablenkung beginnt, wird durch Wiederholung zu einer starken Verbindung „Wenn es mir schlecht geht, gehe ich ins Internet“.

Der zweite Weg ist „Must do“. Dies ist der Weg des inneren Drangs oder der Gewohnheit. Auch wenn man nichts Bestimmtes sehen möchte, öffnet man unbewusst eine App. Bevor man zur Arbeit zurückkehrt, überprüft man noch einmal die Benachrichtigungen. Auf der Toilette, im Zug, vor dem Schlafengehen, gleich nach dem Aufwachen. In solchen Momenten greift die Hand zum Smartphone. Hier bewegt sich die körperlich gewordene Gewohnheit schneller als der klare Wille des Nutzers.

Der dritte Weg ist „Can’t stop“. Nachdem man angefangen hat, wird die Fähigkeit, aufzuhören, schwächer. Endloses Scrollen und die kontinuierliche Wiedergabe von Kurzvideos sind genau auf diese Schwäche ausgelegt. Es gibt kein natürliches Ende. Auch wenn man einen Beitrag zu Ende gesehen hat, erscheint sofort der nächste. Noch bevor ein Video endet, wartet schon der nächste Reiz. Der Nutzer muss selbst entscheiden, „hier höre ich auf“, aber gerade wenn man müde, einsam oder gestresst ist, fällt diese Entscheidung schwer.

In der Studie wurden 819 Teilnehmer in groß angelegten Experimenten untersucht, die klinische Interviews, Fragebögen und computergestützte kognitive Aufgaben umfassten. Die Teilnehmer reagierten auf internetbezogene Reize oder unterdrückten bestimmte Reaktionen, um Impulskontrolle und Reaktivität auf internetbezogene Reize zu messen. Darüber hinaus wurde bei einigen Teilnehmern eine Nachuntersuchung nach sechs Monaten durchgeführt.

Wichtig ist, dass die drei Wege nicht isoliert wirken, sondern sich gegenseitig beeinflussen. Zum Beispiel neigt jemand, der durch das Ansehen von sozialen Netzwerken seine Stimmung ablenken kann, dazu, bei Stress die App zu öffnen. Wenn man sie häufig öffnet, wird das Verhalten zur Gewohnheit. Wenn es zur Gewohnheit wird, wird stärkere Selbstkontrolle erforderlich, um aufzuhören. Doch gerade wenn man müde ist, schwächt sich die Selbstkontrolle. Das Ergebnis ist ein Kreislauf aus „Ich möchte mich besser fühlen“, „Ich kann nicht anders“ und „Ich kann nicht aufhören“, der die Nutzungszeit verlängert.

Diese Sichtweise unterscheidet sich von der Vorstellung, dass übermäßige Internetnutzung nur auf „persönliche Nachlässigkeit“ zurückzuführen ist. Natürlich spielen persönliche Entscheidungen und Lebensgewohnheiten eine Rolle. Doch im Verlauf des Problems sind mehrere Faktoren wie Emotionsregulation, Belohnung, Impulse, Gewohnheiten und kognitive Kontrolle verwoben. Deshalb reicht es manchmal nicht aus, einfach zu entscheiden „Ich werde das Smartphone nicht benutzen“.

 

Anhand der Reaktionen in sozialen Netzwerken zeigt sich, dass die Erklärungen der Studie mit den Erfahrungen vieler Nutzer übereinstimmen. Zwar gibt es keine umfangreiche Reaktion auf diesen Phys.org-Artikel, aber Diskussionen über endloses Scrollen, Kurzvideos und Konzentrationsverlust finden immer wieder auf Reddit oder X statt.

Besonders auffällig ist die Reaktion „Ich bin nicht allein“. In der digitalen Wohlfühl-Community auf Reddit sammeln Beiträge Zustimmung, in denen Nutzer berichten, dass sie sich früher auf Bücher oder lange Videos konzentrieren konnten, jetzt aber alle paar Minuten ihr Smartphone überprüfen. Die Nutzer berichten, dass sie eigentlich den PC für die Arbeit geöffnet haben, aber nach ein paar Minuten das Smartphone überprüfen, ein Video nach dem anderen ansehen und plötzlich 1–2 Stunden vergangen sind. Dies entspricht genau der Kombination aus „Must do“ und „Can’t stop“.

In den Kommentaren wird auch oft die Meinung geäußert, dass „Reibung mehr bewirkt als Willenskraft“. Das Smartphone in einem anderen Raum lassen, Benachrichtigungen ausschalten, Apps vom Startbildschirm entfernen, nicht im Schlafzimmer aufladen, den Bildschirm in Graustufen versetzen. Solche Maßnahmen sind keine bloße Mentalität, sondern eine Umgestaltung der Umgebung, um automatisiertes Verhalten zu unterbrechen. Indem man eine Pause einlegt, bevor man eine App öffnet, wird unbewusstes Handeln in bewusste Entscheidungen umgewandelt. Dies ist eine realistische Lösung für das in der Studie aufgezeigte Problem der „Stop-Kraft“.

Auf der anderen Seite gibt es auch die Reaktion „Nicht nur TikTok ist schuld“. In einem anderen Reddit-Thread über Kurzvideos wird die Kritik an TikTok mit dem Hinweis auf die lange Nutzung von YouTube Shorts oder Instagram Reels durch dieselben Kritiker ironisch kommentiert. Das Problem liegt also nicht in einem bestimmten Markennamen, sondern in dem Format, bei dem kurze Reize ununterbrochen fließen und die Erwartung auf die nächste Belohnung wecken. Auch bei textbasierten sozialen Netzwerken kann ein ähnlicher Kreislauf entstehen, wenn der Feed endlos weitergeht und Beiträge voller Wut, Lachen oder Überraschung nacheinander präsentiert werden.

Allerdings gibt es auch vorsichtige Stimmen in den sozialen Netzwerken. Es wird darauf hingewiesen, dass man nicht Korrelation und Kausalität verwechseln sollte, da die Überschriften von Wissenschaftsartikeln oft zu starken Ausdrücken wie „Das Gehirn verfault“ neigen. Dies ist wichtig. Auch wenn ein Zusammenhang zwischen Internetnutzung und Konzentrationsverlust, Verschlechterung der psychischen Gesundheit und Impulsivität gezeigt wird, kann man nicht alle Ursachen dem Internet zuschreiben. Menschen, die bereits unter Stress, Einsamkeit oder Angst leiden, könnten die Internetnutzung als Bewältigungsstrategie verstärken. Der Wert der aktuellen Studie liegt darin, dass sie versucht, zu modellieren, wie die verschiedenen psychologischen Wege die Symptome verstärken, anstatt einfache moralische Urteile zu fällen.

Was können wir also tun?

Erstens müssen wir unsere Internetnutzung nicht nur nach „Zeit“, sondern nach „Zweck“ betrachten. Eine Stunde Recherche für die Arbeit und eine Stunde Kurzvideos, um schlaflose Ängste zu vertreiben, haben zwar die gleiche Dauer, aber eine unterschiedliche Bedeutung. Das Problem liegt nicht nur in der Länge, sondern darin, ob das Leben nach der Nutzung voranschreitet oder ob Erschöpfung und Selbstverachtung zunehmen.

Zweitens sollten wir den „Eingang der Emotionen“ erkennen. Bevor wir soziale Netzwerke öffnen, sollten wir einen Moment innehalten und uns fragen, was wir gerade fühlen. Ist es Langeweile, Einsamkeit, der Wunsch, der Arbeit zu entfliehen, oder Müdigkeit? Wenn die Internetnutzung eine emotionale Notfallmaßnahme ist, müssen wir eine andere Maßnahme vorbereiten. Ein Spaziergang, ein Bad, ein kurzes Nickerchen, ein Tagebuch auf Papier, jemandem eine Nachricht schicken, das Zimmer aufräumen. Wichtig ist, dass wir neben dem Internet auch andere Wege zur Stimmungsregulierung haben.

Drittens sollten wir nicht die Gewohnheit beschuldigen, sondern sie neu gestalten. Menschen sind anfällig für Versuchungen. Daher ist es realistischer, die Anzahl der Berührungen mit der Versuchung zu verringern, anstatt jedes Mal in ihrer Nähe zu gewinnen. Benachrichtigungen ausschalten. Apps löschen. Nur die Browser-Version verwenden. Kein Smartphone ins Schlafzimmer bringen. Während der Arbeit in einem anderen Raum aufbewahren. Solche kleinen Reibungen sind ein Puffer, um das unbewusste „Must do“ zu stoppen.

Viertens sollten wir im Voraus festlegen, wann wir aufhören. Endloses Scrollen hat keinen Endpunkt. Daher muss der Nutzer selbst einen künstlichen Endpunkt setzen. „Nach drei Videos schließen“, „Wenn der Timer klingelt, aufhören“, „Nicht mehr nach 30 Minuten vor dem Schlafengehen ansehen“, „Während des Essens nicht berühren“. Je konkreter die Beendigungsbedingungen sind, desto leichter lässt sich das Verhalten ändern.

Die Bedeutung der aktuellen Studie liegt auch darin, dass sie die Diskussion über Internetnutzung nicht nur auf die „Regulierung von sozialen Netzwerken für Jugendliche“ beschränkt. Wie im Artikel erwähnt, verbringen auch Erwachsene täglich viele Stunden online. Der Schutz von Kindern und Jugendlichen ist wichtig, aber es ist nicht überzeugend, nur von ihnen Selbstkontrolle zu verlangen, während die problematische Nutzung durch Erwachsene ignoriert wird. Eltern, Lehrer, Unternehmen, Medien, Plattformen und die Nutzer selbst befinden sich in derselben Umgebung.

Darüber hinaus ist die Aufteilung der drei Wege auch in Bezug auf Behandlung und Prävention nützlich. Wenn das Hauptproblem einer Person die „stimmungsaufhellende Nutzung“ ist, sind Emotionsregulation und Stressbewältigung der Schlüssel. Wenn das Problem einer anderen Person der „gewohnheitsmäßige Drang“ ist, sind Umgestaltung der Umgebung und verhaltensbezogene Interventionen erforderlich. Bei einer weiteren Person könnte kognitives Training oder spezifische Nutzungsbeschränkungen wirksam sein, um die Schwächung der „Stop-Kraft“ zu bekämpfen. Es ist praktischer, den stärksten Weg zu identifizieren, anstatt allen denselben Rat zu geben, „das Smartphone zu reduzieren“.

Die Gefahr des endlosen Scrollens liegt nicht in einem heftigen Schlag, sondern in der sanften Wiederholung. Ein Video, ein Beitrag, eine Benachrichtigung scheinen nicht viel zu sein. Doch wenn sich das täglich summiert, beeinflusst es allmählich die Toleranz gegenüber Langeweile, die Konzentrationsfähigkeit, den Schlaf, die Stimmung und die Beziehungen. Und die Person selbst hat nicht das Gefühl, etwas Wichtiges zu tun. Sie hat nur „ein wenig geschaut“.

Deshalb ist nicht ein extremer Schluss wie der totale Verzicht auf das Internet notwendig. Was notwendig ist, ist die Rückeroberung der Kontrolle über die eigene Internetnutzung. Eine Pause einlegen, bevor man öffnet. Das Ende bestimmen. Mehrere emotionale Auswege haben. Der Gestaltung der Apps mit der Gestaltung des eigenen Lebens entgegentreten.

Dass das Scrollen nicht aufhört, liegt nicht einfach daran, dass Ihr Wille schwach ist. Es ist das Verlangen, die Stimmung zu ändern, die durch Wiederholung gefestigte Gewohnheit und die ermüdete Kontrolle des Gehirns. Diese drei Dinge sind im Bildschirm miteinander verwoben. Daher müssen die Gegenmaßnahmen nicht nur den Willen, sondern auch Emotionen, Umgebung und Gewohnheiten berücksichtigen.

Das Smartphone ist ein nützliches Werkzeug und ein Fenster zur Welt. Aber wenn dieses Fenster unbemerkt zu einem endlosen Korridor geworden ist, ist es in Ordnung, einmal innezuhalten. Es reicht schon, sich selbst zu fragen, bevor man den nächsten Beitrag ansieht.

„Ist das wirklich etwas, das ich sehen möchte? Oder kann ich einfach nicht aufhören?“


Quellen-URL

Phys.org-Artikel. Überblick über die aktuelle Studie, die drei Wege „Feels better“, „Must do“, „Can’t stop“, die Untersuchung mit 819 Personen und die sechsmonatige Nachverfolgung.
https://phys.org/news/2026-05-endless-scrolling-harder-drivers-problematic.html

In Comprehensive Psychiatry veröffentlichter Artikel. Informationen zum Artikel „Affective and cognitive drivers explain current and future symptoms of problematic usage of the internet“ von Brand et al.
https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0010440X26000362

Publikationsliste der Universität Duisburg-Essen FOR2974. Zur Überprüfung der bibliografischen Informationen des betreffenden Artikels, DOI und verwandter Forschung.
https://www.uni-due.de/for2974/publikationen.php

Reddit-Beitrag auf r/nosurf. Nutzerreaktionen und -lösungen zu Konzentrationsverlust durch Scrollen, Smartphone in einem anderen Raum lassen, Benachrichtigungen ausschalten, Reibung erhöhen.
https://www.reddit.com/r/nosurf/comments/1rmo6o4/is_anyone_else_losing_their_ability_to_focus/

Diskussion auf Reddit r/technology über Kurzvideos und die Nutzung sozialer Netzwerke. Reaktionen von Nutzern auf TikTok, Instagram Reels, YouTube Shorts, Reddit und vorsichtige Stimmen zur Wissenschaftsberichterstattung.
https://www.reddit.com/r/technology/comments/1p42hlk/new_study_reveals_tiktok_instagram_content/